Der ehemalige Vertraute von Papst Franziskus und frühere Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, ist wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen von einem Gericht im australischen Melbourne zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Strafmaß gegen den 77-Jährigen verkündete Richter Peter Kidd am Mittwoch. Er blieb damit deutlich unter der möglichen Höchststrafe von 50 Jahren. Pell bestreitet alle Vorwürfe und geht gegen das Urteil in Berufung.

Der Kurienkardinal war bereits im Dezember von einem Geschworenengericht für schuldig befunden worden, in den 1990er Jahren zwei damals 13 Jahre alte Chorknaben missbraucht zu haben. Zu jener Zeit war Pell Erzbischof der australischen Millionenmetropole. Er sitzt bereits seit Ende Februar im Gefängnis. Der Berufungsprozess wird vermutlich im Juni beginnen. Strafmindernd wertete Richter Kidd unter anderem Pells Alter, seine Gesundheit und seine Lebensleistung.

Als Finanzchef war der Australier praktisch die Nummer drei des Vatikans. Pell ist der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde. Wegen der Vorwürfe ließ er sich bereits vor zwei Jahren beurlauben. Offiziell war er als Finanzchef jedoch noch bis Februar im Amt.