Roundup: Jury verurteilt Monsanto zu Milliardenstrafe

Das Bayer-Tochterunternehmen Monsanto hat erneut eine Niederlage im Rechtsstreit um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup erlitten. Eine Jury im kalifornischen Oakland verurteilte das Unternehmen am Montag zu einer Milliardenstrafe. Monsanto muss demnach 2,05 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) an das Ehepaar Alva und Alberta Pilliod zahlen, beide sind über 70 Jahre alt und an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Sie machen die jahrzehntelange Verwendung des Unkrautvernichters dafür verantwortlich. Ihre Anwälte hatten mehr als eine Milliarde Dollar Strafschadenersatz gefordert.

Es ist bereits der dritte Prozess, in dem sich ein Gericht gegen die Argumentation von Monsanto stellte. Der Mutter-Konzern Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme nach dem Entscheid der Jury “enttäuscht”. Das Urteil stehe in direktem Widerspruch zur Einschätzung der US-Umweltbehörde EPA, so das Unternehmen. Roundup werde “seit mehr als 40 Jahren weltweit sicher und erfolgreich verwendet.” Der Konzern kündigte an, weitere Rechtsmittel einzulegen.

Anwälte der Kläger sprechen von “historischem” Strafmaß

Die Anwälte der Kläger sprachen dagegen von einem “historischen” Strafmaß. Laut Rechtsanwalt Brent Wisner habe die Jury firmeninterne Dokumente einsehen können, aus denen hervorgehe, dass Monsanto “niemals irgendein Interesse daran hatte, herauszufinden, ob Roundup sicher ist”. Insgesamt müsse das Unternehmen den Klägeranwälten zufolge sogar mehr als die zwei Milliarden Dollar Schadenersatz an die Kläger zahlen: Zusätzlich würden weitere 55 Millionen Dollar (49 Millionen Euro) an Entschädigungszahlungen fällig, so die Anwälte weiter.

Bei den beiden Prozessen zuvor wurde der Konzern bereits zu insgesamt mehr als 160 Millionen Dollar verurteilt. Im März sprach eine Jury in San Francisco einem Mann 80 Millionen Dollar zu. Im August verurteilte eine Jury Monsanto zu einer Zahlung von 289 Millionen Dollar. Eine Richterin senkte die Summe anschließend auf 89 Millionen Dollar. Bayer legte in beiden Fällen Berufung ein. Wegen des Produkts Roundup sieht sich der Konzern in den USA nach eigenen Angaben inzwischen mit rund 13.400 Klagen konfrontiert.

Aktionäre gehen mit Bayer hart ins Gericht

Bayer hatte Monsanto im vergangenen Jahr für rund 56 Milliarden Euro gekauft. Angesichts der massiven Kursverluste seit der Übernahme hat die Führungsriege des Konzerns auf der Hauptversammlung Ende April den Druck der Aktionäre zu spüren bekommen. Den Vorstand entlasteten sie nicht. Dem Aufsichtsrat wurde zwar das Vertrauen ausgesprochen, dies jedoch ungewöhnlich knapp. Wichtige Investoren wollen dem Management eine zweite Chance geben. Sie warnen vor einem vorzeitigen Wechsel, da sie fürchten, dass sich das Chaos bei Bayer damit nur vergrößern würde.

Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat Bayer stets zurückgewiesen und verweist darauf, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten. Erst kürzlich hatte die US-Umweltbehörde EPA ihre Einschätzung bekräftigt, wonach Glyphosat nicht krebserregend sei. Die Kläger sehen das jedoch anders. Sie berufen sich auf die internationale Krebsforschungsagentur IARC, die den Wirkstoff als “wahrscheinlich krebserregend” eingestuft hatte.

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